Bewegt lernen-Philosophie

Viele neue Studien, die Auskunft darüber geben, wie Kinder am sinnvollsten lernen und, welche Voraussetzungen sie dafür benötigen, sagen: Wenn Kinder Spaß am Bewegen haben, machen sie alle Erfahrungen, die sie zum Lernen lernen haben müssen.
Sie machen die grundlegenden Erfahrungen, die für das Rechnen und Schreiben lernen nötig sind. Sie bewegen sich und bekommen so das gesamte „Rüstzeug“ für gutes, schulisches Lernen mit. Wieso?
Was hat Bewegung mit Schule zu tun? Ist das nicht nur ein Ausgleich zum langen Sitzen?
Nein! Eine gute Bewegungserfahrung ist Grundvoraussetzung, um überhaupt lernen zu können.
Das hängt mit der Reizung der Basissinne zusammen, die für die Entwicklung der Kinder so überaus wichtig ist. (übrigens: Rudolf Steiner, Erfinder der Waldorfpädagogik, und Maria Montessori sind da schon „etwas“ eher drauf gekommen!)

Wie lernen Kinder?

Kinder lernen vor allem durch beobachten, experimentieren, ausprobieren, kreativ sein, nachahmen und spielen. Das Lernen erfolgt also über die Sinne.
Hierbei unterscheidet man die körpernahen Sinne (= Basissinne) und die Fernsinne (Geruchssinn, Geschmackssinn, Gehörsinn, Sehsinn).

Basissinne (körpernahe Sinne) sind:

  • Tastsinn – den eigenen Körper erfahren; vor allem durch Hautberührungen/ Körperschema wahrnehmen, Körperwahrnehmung.
  • Bewegungssinn – Kinästetischer Sinn (Orientierungssinn des Körpers) meldet dem Gehirn, wie die Gelenke zu einander stehen (Übung z.B.: Körperteile mit geschlossenen Augen finden), beschreibt die Lage im Raum
    Propriozeptives System, Tiefensensibilität, meldet dem Gehirn starken Druck auf Muskeln, Sinneswahrnehmung in den Tiefen, z.B. beim Hüpfen, Stampfen u.s.w., ist gut für das Zählen
  • Vestibuläres System, Gleichgewichtssinn

Diese Basissinne werden in jeder Bewegt lernen-Stunde auf vielfältige Art und Weise angesprochen.

Sinneserfahrungen, die ein Kind aus erster Hand (direkt, nicht nur durchs Fernsehen) macht und die verarbeitet werden, helfen Nervenbahnen zwischen den Nervenzellen aufzubauen (=Verknüpfungen), welche die Reize über die sinnesaufnehmenden Zellen ans Gehirn weitergeben.
Je mehr Erfahrungen das Kind macht, um so mehr Verknüpfungen bilden sich und um so schneller kommt es zu einem „AHA“-Effekt. Die sensible Phase zur Bildung der Verknüpfungen ist in den ersten sieben Lebensjahren.

Die Basissinne sind für das Lernen die Grundlage. Bei „Bewegt lernen“ werden genau diese Sinne immer wieder „gereizt“, also gefordert.

Alle anderen Sinne (Fernsinne) bauen auf die Basissinne auf. Die Fernsinne leiden meist unter Reizüberflutung (zu viel Fernsehen, zu viel Gameboy, Hörspielkassetten usw.) Defizite in den Basissinnen führen zu Defiziten in den Fernsinnen.

Die Basissinne „leiden“ heute meist unter Reizarmut. Durch alte Kinderspiele wie z.B. Kästchenhüpfen (Bewegen, Zielen, Hüpfen), Seilspringen (Hüpfen, Schwingen…) können diese Sinne optimal gefördert werden. Bewegungen werden verknüpft, Lernen erfolgt. Es heißt nicht umsonst: “Das ist ein-gängig“.
(Die meisten Störungen sind auf ein Defizit bei den Basissinnen zurück zuführen.)

Die Basissinne wirken – an Beispielen gezeigt – auf die Schulfähigkeit der Kinder ein:

  • Der Gleichgewichtssinn wirkt durch die Bewegung auf den Gehörsinn ein. Der Gehörsinn ist ausschlaggebend für das Kurzzeitgedächtnis (hören, abspeichern, abrufen).
  • Der Gleichgewichtssinn hat Einfluss auf den Sehsinn. Nur wenn das Gleichgewicht stimmt können die Kinder in der Zeile, auf die Linie schreiben.
  • Nur wer rückwärts gehen kann, der kann auch rückwärts (minus) rechnen.
  • Die Körperwahrnehmung ist wichtig um oben, unten, links, rechts zu unterscheiden.
  • Rhythmus (hüpfen, gehen u.s.w.)ist wichtig um das gesamte Lernen zu erleichtern. Wir lernen rhythmisch schneller. Gereimte, rhythmisch gesprochene Texte verinnerlichen wir eher, z.B. Gedichte, Liedertexte (oder wie behalten Sie z.B. Telefonnummern im Kopf?)
  • Nur wer sich selbst gut spürt, kann mit Formen außerhalb seines Körpers umgehen, kann den Raum erfahren. Nur so kann man richtig schreiben. Diese Raumorientierung (kinästhetischer Sinn) kann nur über Bewegung aufgebaut werden. Die Bewegungen werden nur sicher, wenn die Körperwahrnehmung stimmt.
  • Erst wenn ein Kind eine Schräge mehrere 1000 Mal erlebt/gespürt hat, wird das Gefühl der Diagonalen im Gehirn abgespeichert. (Verknüpfungen bilden sich.) Fehlt diese Erfahrung, dann gibt es Probleme bei Überkreuzbuchstaben (b,l,g, usw.), Koordination.
  • Ein Kind kann nicht auf einer Linie schneiden. Im „Normalfall“ übt man mit dem Kind das Schneiden bis „zum Umfallen“, setzt aber damit bei seinen Schwächen an (Selbstwert) und zerstört seine Motivation.
    Besser: Sieht das Kind die Linie, kann es sie wahrnehmen? Kann es überhaupt auf der Linie laufen (vorwärts, rückwärts)? Kann es den Raum erfassen?
    Über die Erfahrungen durch das Große (Körper) kommt man dann so zu Kleinen (Feinmotorik, hier: Schneiden auf der Linie).

Kinder mit Defiziten in den Basissinnen fallen entweder durch übermäßige Aktivität oder durch auffallende Passivität auf.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Sinne gleichzeitig tätig sind, um so besser/mehr lernen die Kinder (Abspeicherung im Gehirn). Die Basissinne werden dabei immer beansprucht/berücksichtigt.
Übrigens: Um Handlungsabläufe, Körpererfahrungen, und ähnliches zu festigen, bzw. zu ändern muss der Kontakt zwischen 20.000- 100.000 Mal da sein.

Liebe Eltern,
bei „Bewegt lernen“ lernen Ihre Kinder also spielend. Wir geben ihnen wertvolles „Material“ für eine gesunde Zukunft mit.